Die Jörger (1590 -1625)

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Dieses alte österreichische Adelsgeschlecht stammt aus St. Georgen (=St. Jörgen) bei Grieskirchen in Oberösterreich. Schon am Anfang des 16. Jahrhunderts waren sie zu beträchtlichem Reichtum und Ansehen gekommen.

Großen Anteil daran dürften die überdurchschnittliche Intelligenz, die Bildung, das diplomatische Geschick sowie die wirtschaftlichen Fähigkeiten gehabt haben, welche viele Mitglieder dieser Familie zu ihrer Zeit aus der Masse hervorhob.

Eine weitere bezeichnende Eigenschaft der meisten Jörger ist ihre fanatische Religiosität. Bedingt durch eine sehr idealistische Einstellung zum Glauben an sich, wandten sie sich vom Katholizismus, der in skurrilen Formalismen zu erstarren drohte, ab und dem Reformator Martin Luther zu. Dessen Intention war es, den Glauben von den absurden Auswüchsen zu befreien, die im Laufe des Mittelalters die christlichen Grundideen überwuchert hatten.
Die Moral der katholischen Kirche war am Tiefpunkt. Die Geistlichkeit legte Gesetze nach ihrem persönlichen Vorteil aus und machte mit der Angst der Menschen vor den ewigen Höllenqualen gute Geschäfte. Wer Sünden auf sich geladen hatte, konnte sich die Absolution erkaufen. Je nach der Schwere des Vergehens und dem Besitz des Sünders unterschieden sich auch die Summen, die dafür ausgelegt werden mussten. Eine weitere ausgezeichnete Einkommensquelle war der Reliquienhandel. Es war sehr in Mode gekommen, Reliquien von Heiligen zu erwerben. Viele Adelige sollen richtige Reliquiensammler gewesen sein. Um die steigende Nachfrage zu decken, wurden mitunter sogar Schweineknochen als die sterblichen Überreste verschiedener Heiliger verkauft.
Diesen und anderen Missständen wollten die Reformatoren Calvin, Zwingli und Luther ein Ende setzen.
Die Lehre Luthers war diejenige, welche im damaligen Österreich die meisten Anhänger fand. Da von ihnen der Papst als religiöses Oberhaupt abgelehnt wurde und die Landesfürsten so auch diese Funktion übernehmen konnten, erhielten sie dadurch beinahe uneingeschränkte Macht über ihre Untertanen. Dass der neue Glaube vom Adel begeistert aufgenommen wurde, verwundert angesichts dieser Tatsachen nicht.
Luthers Lehre verbreitete sich aber auch unter den Bauern rasend schnell, was weniger leicht erklärt werden kann.

Einer der ersten Adeligen in Österreich, die Martin Luther nachfolgten war Christoph Jörger, der auch brieflichen Kontakt zu dem Theologen pflegte. Er hatte sich in einer Führungsposition eines Bergwerkes profiliert und wurde 1543 zum Regimentsrat ernannt. Der Lutheraner stieß sich allerdings so sehr daran, an katholischen Festen teilnehmen zu müssen, dass der diese Funktion trotz guter Bezahlung bereits nach drei Jahren wieder zurücklegte. Fünfundzwanzig Jahre später erlaubte der religiös tolerante Kaiser Maximilian II. die freie Ausübung der „Augsburger Konfession“. Nun bewarb sich auch Christoph Jörger wieder um Staatsämter. Er wurde kaiserlicher Rat und einige Zeit später sogar oberösterreichischer „Erblandhofmeister“. Christoph Jörger kaufte nun die Herrschaft Kreisbach und war damit der erste seiner Familie, der auch Besitzungen außerhalb Oberösterreichs erwarb. Entsprechend seiner religiösen Überzeugung besetzte er seine Vogteipfarren mit protestantischen Prädikanten. Im hohen Alter von 75 Jahren verstirbt Christoph Jörger 1578. Die Herrschaft Kreisbach vererbt er an seinen jüngsten Sohn Bernhard.

Dieser vergrößert 1590 seine Besitzungen im Traisen-, Gölsen- und Triestingtal durch den Kauf der Burgen Araburg und Hohenstein von den Brüdern Sauermann und verlegte seinen Lebensmittelpunkt auf die niederösterreichischen Burgen, da die oberösterreichischen Güter an seinen Bruder gegangen waren. Wie die meisten ihrer Vorgänger als Besitzer der Araburg, kamen auch die Jörger in Konflikt mit dem Stift Lilienfeld. Bereits Christoph Jörger hatte sich 1551 um die Beilegung des Streits bemüht, aber erst Bernhard erreichte 1593 einen Vergleich.
1599 erbte Ferdinand Jörger nach dem Tod seines Vaters Bernhard dessen Besitzungen. Er sollte aber kinderlos bleiben, so starb 1617 mit seinem Tod diese Linie der Familie aus und die Araburg ging an Ferdinands Cousin Helmhard Jörger.

Bereits Christoph Jörger hatte begonnen, die Bevölkerung der umliegenden Orte von seinem Glauben zu überzeugen, unter Helmhard Jörger erfuhr der Protestantismus in der Gegend um die Araburg seinen Höhepunkt. Helmhard hatte in Tübingen studiert und wurde bereits mit 20 Jahren zum Regimentsrat ernannt. Er hatte es verstanden, sich bei den beiden rivalisierenden Habsburgerbrüdern - Kaiser Rudolf II. und Erzherzog Matthias - beliebt zu machen. So wurde er als Proviantmeister an den Hof bestellt. Wie groß Helmhards Beliebtheit bei Hofe war, zeigt, dass ihm die Hofkammer 30 000 Gulden lieh. Bereits ein halbes Jahr später hatte er allerdings Schulden in der Höhe von 600 000 Gulden.
1606 bekleidet Helmhard mit nur 34 Jahren das höchste Amt im Staat: Er wird Hofkammerpräsident, tritt aber bald wieder zurück. Warum er diesen Posten überhaupt annahm ist nicht ganz klar, da er als Protestant eher hinter dem toleranteren Matthias stand. Kurz darauf verstarben zwei von Helmhard Vettern und er verstand es, beide zu beerben. Außerdem heiratete er die Witwe von Georg Wilhelm, einem der beiden Verstorbenen. Durch diese Erbschaft erweiterte sich sein Besitz um die Herrschaft Walpersdorf und das Allodialgut Kreisbach, zu dem auch Hohenberg, Bergau und die Araburg gehörten.
Nun war Helmhard Jörger einer der reichsten Adeligen im Land, er verlegte sein Interesse auf die Verwaltung seiner Güter und zog sich aus der Landespolitik zurück. In der Zwischenzeit war der Dreißigjährige Krieg ausgebrochen. Helmhard sympathisierte als Protestant mit den böhmischen Aufständischen und wurde 1619 in Folge der „Sturmpetition“, die als Putsch missverstanden wurde inhaftiert wegen Konspiration mit dem Feind und Hochverrat. Aus seiner Zelle schickte er täglich mehrere Bittschriften und Petitionen an den Kaiserhof, womit er erreichte, dass er an „Ehre, Leib und Leben“ pardoniert, und nur seine Güter konfisziert wurden. Auch Ursula, die Tochter Helmhard Jörgers, soll ein schweres Schicksal gehabt haben. Von ihr ist die Legende überliefert, dass sie sich das Leben nahm, als sie erfuhr, dass der junge Ritter, den sie liebte und von dem sie ein Kind erwartete, eine andere geheiratet hatte.

 

Aktualisiert ( Dienstag, den 03. Juni 2008 um 18:57 Uhr )  
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